
Web Information und Service Engineering
Ausgangsbasis
Die Entwicklung webbasierter Informationssysteme wird z. Zt. durch unterschiedliche Systeme, z. B. Web- Editoren oder Content-Management-Systeme unterstützt. Der Fokus liegt dabei auf der Gestaltung und flexiblen Erzeugung der grafischen Präsentation von Inhalten, dem Einstellen und Verwalten der Inhalte innerhalb eines Redaktionsprozesses sowie der Anbindung an Datenbanken und existierende Applikationen. Im Unterschied zu konventionellen Applikationen sind webbasierte Anwendungen oft einer ständigen Überarbeitung sowohl hinsichtlich ihrer Struktur als auch ihrer Inhalte unterworfen. Darüber hinaus bedeutet die Erneuerung des Informationsangebotes, z. B. aufgrund der Einbindung externer Dienste oder der Änderung der Navigationsstruktur, oft eine weitgehende Neugestaltung der Anwendung.
Existierende Entwicklungsmethoden und Modellierungstechniken sind für diese Situationen oft nicht geeignet und kommen entsprechend selten zum Einsatz. Die Mischung von Informationsobjekten unterschiedlichen Strukturierungsgrades, eine hohe Veränderungsdynamik und die Einbeziehung externer Informationskomponenten und -dienste sind charakteristische Eigenschaften heutiger Web-Anwendungen. Entwurfstechniken und Entwicklungsprozesse müssen gleichermaßen Antworten auf Fragestellungen im Zusammenhang mit dieser veränderten Situation bieten und gleichzeitig dem stark gewachsenen Spektrum an unterschiedlichen Gestalter- und Entwicklerrollen gerecht werden.
Problemstellung
Der Einsatz systematischer Entwurfsmethoden in der Entwicklung von Web-Anwendungen ist bislang wenig verbreitet. Untersuchungen wie (Barry & Lang, 2001) zeigen, dass besonders im Medienbereich spezifische Methoden kaum eingesetzt werden, und falls doch, diese einen geringen Standardisierungsgrad haben. Selbst Standardmethoden wie UML werden bislang nur selten im Web-Bereich angewendet. Stattdessen erfolgt die Entwicklung von Websites zumeist ad-hoc und ohne einen systematischen Ansatz. Zahlreiche Tools wie z. B. HTML-Editoren, Database Publishing Wizards, Website Managers und Web Form Editoren unterstützen eine Quick-and-Dirty-Vorgehensweise, deren Einsatz zu einem hohen Wartungsaufwand bzgl. der erstellten Websites führt.
Der geringe Einsatz von Methodologien zur Modellierung von Web- Anwendungen zeigt sich auch in allen verfügbaren Web Content Management Systemen. Dies ist zu einem Teil daran erkennbar, dass Entwurfsmuster für Metadaten noch nicht ausreichend implementiert sind, obwohl sie vor allem in XML-nahen Standards (z. B. RDF) beschrieben werden. Auch die darüber hinaus greifende Beschreibung von Business-Klassen in Metadatenmodellen der Web-Anwendung, als Basis der Code-Generierung, steht bei Application- bzw. Portalserveranbietern noch ganz am Anfang. Zudem wird in der Praxis des Content Managements bzw. in der Anwendung unterstützender Systeme das Design der Navigation in Websites nicht ausreichend im Hinblick auf die Gesamtstruktur, Konsistenz und Wiederverwendung von Navigationskonzepten betrachtet.
Ziel des Projektes
WISE ist daher die Konzeption einer integrierten Methodik und die Entwicklung zugehöriger Werkzeuge für den komponentenorientierten Entwurf webbasierter Anwendungen. Insbesondere:
- Die Bereitstellung durchgängiger, umfassender und integrierter Modellierungsmethoden für die im Web-Kontext relevanten Entwurfsbereiche. Im Vergleich zu z. B. der Unified Modelling Language (UML), sollen hier insbesondere die Bereiche der Metadatenmodellierung sowie der Navigationsmodellierung für hypermediale Strukturen untersucht und in einem Methodenverbund integriert werden.
- Der Einsatz von Komponenten und Entwurfsmustern in der Entwurfs- und Realisierungsphase. Hierbei sollen zum einen insbesondere Präsentations- und Navigationskomponenten von Web-Anwendungen definiert und in die Methodik integriert werden. Zum zweiten sollen Entwurfsmethoden für durch Web Services gekoppelte Anwendungskomponenten erarbeitet werden, die die Spezifikation und Anbindung unterschiedlicher verteilter Servicekomponenten ermöglichen.
- Die Untersuchung und Weiterentwicklung von generativen Ansätzen für das Prototyping und die Realisierung von Web-Anwendungen insbesondere im Hinblick auf die automatisierte Erstellung von Navigationsstrukturen.
Die Schwerpunkte der Universität Duisburg-Essen sind hierbei:
- Kontextmodellierung und Kontextadaptivität
- Implementierung von Adaptionsmechanismen
Projektpartner
Das WISE-Projekt ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt, im Rahmen der Forschungsoffensive "Software Engineering 2006". Projektpartner sind, nebst der Universität Duisburg-Essen, die Universitäten Stuttgart und Paderborn, sowie die Industriepartner EMPRISE Software + Consulting GmbH, ISA Informationssysteme GmbH.


